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Texter Martin Bauer teilt 5 Tipps für gute Website-Texte

Small Business Stories, 26 Februar 2021

20 Sekunden oder 350 Zeichen hab ich Zeit, Sie für das Thema «bessere Texte fürs Web» zu begeistern. Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Mass der Gelangweiltheit in etwa dann erreicht ist. Und deshalb gleich die Geschichte des Fahrstuhl-Tests nachgelegt: Ein kleiner Angestellter möchte dem Unternehmenschef eine tolle Idee präsentieren und trifft ihn zufälligerweise im Fahrstuhl. 20 Sekunden Zeit verbleiben, bis der Chef wieder aussteigt. Also los.

Sie lesen immer noch? Ein gutes Zeichen. Mein hier gemachter Einstieg gilt für alle Texte. Und für Texte, die fürs Web bestimmt sind, ganz besonders. Web-User scannen die Texte am Bildschirm. Sie überfliegen Texte und suchen nach Wörtern, die ihnen Informationen vermitteln zu dem, was sie suchen. Texte im Web werden oft in Windeseile überflogen. Dazu kommt, dass Web-User das Lesen am Bildschirm grundsätzlich unangenehmer als das Lesen auf Papier empfinden. Hier also ein paar Tipps, wie man besser schreibt.

Tipp Nr. 1: Schreiben Sie onlinegerecht.

Onlinegerechte Texte gehen darauf ein, dass der Web-User scannt. Heben Sie Schlüsselwörter fett, farbig oder als Hypertext-Link hervor. Setzen Sie sinnvolle Untertitel, nicht in erster Linie clevere oder originelle, sondern inhaltlich sinnvolle. Hier eine Klammerbemerkung: Die Suchmaschinen von Google und Co. lieben Untertitel mit Inhalt und belohnen inhaltlich sinnvolle Untertitel mit einem höheren Ranking (Stichwort «SEO»).

Gliedern und strukturieren Sie Ihre Inhalte im Web und arbeiten beispielsweise mit Aufzählungen. Begnügen Sie sich mit einer Idee pro Absatz. Und denken Sie beim Formulieren an das Bild der umgekehrten Pyramide: Das Fazit kommt zuerst, sprich die wichtigste Information. Dann folgt der Rest.

Tipp Nr. 2: Schreiben Sie einfach kurz und übersichtlich.

«Scannbare» Texte sind einfache, kurze und übersichtlich gehaltene Sätze. Denken Sie beim Schreiben an die Formel KISS – Keep it short and simple. Verwenden Sie pro Satz nur Subjekt, Prädikat und Objekt.

Vermeiden Sie schwerfällige Passiv-Formulierungen. Benutzen Sie lieber aktive Verben. Hierzu ein paar Beispiele: anzeigen statt zur Anzeige bringen, anwenden statt zur Anwendung gelangen, sich durchsetzen statt zum Tragen kommen, verwendet werden statt Verwendung finden, sich steigern statt Auftrieb erfahren.

Setzen Sie Füllwörter wie eigentlich, nun, halt usw. sparsam ein. Vermeiden Sie unbekannte Fremdwörter. Wobei zu beachten ist, an wen sich der jeweilige Text richtet. Für den Laien unbekannte Wörter sind dem Fachmann, beispielsweise dem Arzt, bekannt und eignen sich für präzise Aussagen.

Reduzieren Sie die Aussagen auf das Wesentliche und arbeiten Sie mit Links. Ein Link führt zu Ergänzungen, Erweiterungen, Beispielen usw.

Web-User lieben kurze, rasch erfassbare, Sätze. Nicht mehr als vierzehn bis siebzehn Wörter sollten innerhalb einer Satzkonstruktion vorkommen. Aber aufgepasst: Achten Sie beim Schreiben dennoch auf Rhythmus und Stil. Vermeiden Sie einen abgehackten Telegrammstil.

Tipp Nr. 3: Gliedern Sie Ihre Texte.

Eine Textwüste ermüdet das Auge. Gliedern Sie Ihre Texte wo immer möglich. Nutzen Sie Abschnitte, Zwischentitel, fette Schriften usw.

Schreiben Sie aussagekräftige Headlines. Eine rasch erfassbare Headline hat nicht mehr als fünf Wörter. Setzen Sie auch Zwischentitel: pro sichtbare Seite zwei Zwischentitel, aus jeweils höchstens drei Wörtern bestehend.

Gliedern Sie Ihren Text mit Absätzen. Ein Absatz besteht zwischen fünf bis maximal zehn Zeilen und behandelt ein Thema. Auf einer sichtbaren Seite sollten mindestens zwei Absätze vorkommen.

Strukturieren Sie, indem Sie mit Aufzählungen arbeiten. Als Faustregel gilt hier: fünf Aufzählungspunkte (+/- zwei). Verwenden Sie innerhalb einer Aufzählung einen einheitlichen Duktus (einheitlicher Satzbau).

Statt hoch komplexe verschachtelte Inhalte zu schreiben, konzentrieren Sie sich lieber auf das Wesentliche und vertiefen da und dort mit Links. Der Web-User geht gerne vom Grossen ins Kleine. Genügt ihm der Basisinhalt nicht, ist er es gewohnt, via Links nach vertiefenden Erklärungen und Ausführungen zu suchen.

Tipp Nr. 4: Denken Sie beim Schreiben auch an SEO (Search Engine Optimization)

Was nützen gute, webgerechte Texte, wenn Google und Co. sie nicht findet. Zirka 200 Faktoren spielen eine Rolle, ob Sie mit Ihrer Website bei Google ganz oben auf der ersten Seite oder ferner liefen auf den Seiten zwei, drei usw. rangieren. Eine Rolle beim sogenannten Ranking spielt die Relevanz des Inhalts, aber auch die Keyword-Dichte, Titel, URL, Backlinks usw. Entscheidend sind auch die Metadaten, die man im Backend der Website hinterlegen kann. Die Metadaten enthalten die relevanten Schlüsselbegriffe (Keywords) für Suchanfragen potenzieller Besucher.

Die Beschreibung des Webseitenhinhalts (Meta Description) wird im Backend des Content Management Systems eingepflegt und erscheint bei den meisten Suchmaschinen als beschreibender Text mit der Überschrift bei den Ergebnissen der Suchmaschine. Die Description sollte nicht länger als ca. 160 Zeichen (inklusive Leerzeichen) sein, da diese teilweise auch gekürzt in der Suchmaschine mit angezeigt wird. Die wichtigsten Informationen pro Webseite gehören an den Anfang – siebzig bis achtzig Zeichen.

Pro Webseite werden im CMS (Content Managementsystem) zusätzlich sogenannte Keywords hinterlegt (spezifische Suchbegriffe). Dabei wird im Idealfall jede Seite auf einen Begriff optimiert. Der Begriff darf aus einem, zwei oder maximal drei zusammenhängenden Wörtern bestehen, die auf der Seite in derselben Kombination auftreten sollen. Wichtig: Vergessen Sie nicht, dass Sie für Menschen schreiben und nicht für Maschinen. Versuchen Sie nicht, auf der eigentlichen Inhaltsseite zu viele Suchbegriffe unterzubringen. Man spricht von einer Keyword-Dichte von maximal 1.5 bis 3% Keywords, gemessen am Inhalt der Seite.

Tipp Nr. 5: Vergessen Sie das 1×1 der Kommunikation nicht.

Trotz guter Schreibe und Berücksichtigung aller bekannten Regeln zu SEO keine Beachtung Ihrer Texte beim Zielpublikum und kein Erfolg? Das muss nicht sein. Web-User möchten zielgruppengerecht adressiert werden. Machen Sie sich beim Schreiben Gedanken zu Ihrer Zielgruppe. Wer wird meinen Text lesen? Welche Bildung, welches Fachwissen usw. darf ich voraussetzen? Auch wichtig: Welche Ziele möchten Sie mit Ihrem Text auf dem Web erreichen? Die Übermittlung von Information, von Wissen, das Auslösen einer Handlung usw.? Und last but not least: Welche Kernbotschaft sollte Ihr Text beinhalten?

Quellen: Erica Sauta, Texterin aus Thalwil und Wolf Schneider, deutscher Autor (hier wieder gegebene Beispiele aus seinem Buch «Deutsch für junge Profis – Wie man gut und lebendig schreibt»)

Über den Autor: Martin Bauer ist Kommunikationsleiter, Texter, Dozent für angehende Texterinnen und Texter bei der Schweizerischen Textakademie und Inhaber der Dialogmarketingagentur Der Navigator


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Ich bin Christoph

Gründer und Inhaber von fourward, er schreibt vorwiegend über SEO, Analytics und Usability Themen..